Der Lottogewinn des einen ist die Privatinsolvenz des anderen

Die Frage, wie sich unter sozial Gleichgestellten die Einstellungen, insbesondere die Einstellungen zu den Finanzen, verändern können, hat die Wissenschaft schon lange beschäftigt. Die amerikanische Landesbank in Philadelphia hat nun eine Untersuchung veröffentlicht, die zum Ziel hat, die Abhängigkeiten unter sozial Gleichgestellten (Peers) zu untersuchen, bei denen ein Lotteriegewinn in der Nachbarschaft stattgefunden hat. Bekannt ist: Das Finanzverhalten unter Nachbarn wirkt prägend. Diese Tatsache zeigte sich deutlich etwa bei den Kfz, die gehalten werden. Konsum wird so zum Statussymbol – unter Nachbarn und insofern unter sozial Gleichgestellten, will man mithalten können.

Die ostamerikanische Zentralbank hatte sehr gutes Material, um die wissenschaftliche Evidenz zu überprüfen. Ihr lagen aus Kanada die genauen Adressen von Lotteriegewinnern vor, dazu kamen die Anschriften der Nachbarn in unmittelbarer Nähe des Gewinners. Daten lagen aber vor allem vor zur Insolvenz, zum Insolvenzantrag der Nachbarn in nächster Nähe und zur Kreditaufnahme.

Status-Konsum

Tatsächlich änderte sich das Konsumverhalten der Nachbarn, wenn ein hoher Lotteriegewinn vorlag. Auffällig ist, dass man in erster Linie in gut sichtbaren Konsum investierte, etwa in ein neues Haus oder neues Auto. Dagegen blieb der unsichtbare Konsum, etwa in Möbel, weiter zurückhaltend. Bei Insolvenzantrag ließ sich festhalten: Ausgaben waren deutlich in sichtbaren Konsum getätigt worden. Besonders interessant: die Höhe der Ausgaben für sichtbare Konsumgüter stieg mit der Höhe des Lotteriegewinns des Nachbarn.

Zu erkennen war, dass die Ausgaben weniger in Versicherungen oder Rentenpläne flossen, sondern insgesamt in den Konsum. Damit einher gingen sehr viel riskantere Kredite. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der Lotteriegewinn des einen zum deutlich höheren Risiko der Insolvenz des anderen führt. Das Risiko höheren Konsums, der zudem stärker durch Kredit finanziert wird, steigt deutlich an.

Die Bank kennt ihre Kunden

Weitere Auswertungen kommen hinzu: Banken in unmittelbarer Nähe des Geschehens glätten ein wenig die Insolvenzanfälligkeit der Kreditnehmer. Sie erkennen aus unmittelbarer Anschauung, dass hier finanzieller Stress ins Haus steht. Die Daten zeigen sogar, dass mit steigender Entfernung der ausleihenden Bank zum nachbarschaftlichen Geschehen das Ausfallrisiko steigt. Banken in unmittelbarer Nähe werden allerdings vielleicht auch nicht so stark im Hinblick auf einen Kredit kontaktiert wie entferntere Häuser. Der kreditsuchende Konsument fürchtet wohl, dass dem Kreditsachbearbeiter die Veränderung der Situation, das Gefälle zwischen Lotteriegewinner und seinem Nachbarn bekannt ist. Bezeichnend ist, dass auf der anderen Seite die Bank durchaus bereit ist, gesicherte Kredite in höherer Zahl abzugeben und bei unbesicherten Krediten stärkere Zurückhaltung zeigt.

Die Untersuchung bestätigt die These, dass Unterschiede im Einkommen und damit der sozialen Stellung in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem erhöhten Aufkommen von Privatinsolvenzen führen. So hatte man durch Befragungen erfahren, dass Menschen, die glauben ein geringeres Einkommen als ihre Nachbarn zu haben, eher dazu neigen über Kredite eine „Gleichstellung“ zu erreichen.

Diese Ergebnisse beantworten auch Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem SchuldnerAtlas Creditreform stellten. So war es oft schwer nachvollziehbar, dass in den reichen westdeutschen Metropolen, wie etwa in Düsseldorf oder Wiesbaden, eine vergleichsweise hohe Zahl überschuldeter Privatpersonen zu finden war. Ein Grund für diese Zahlen ist möglicherweise, dass aus dem finanziellen Gefälle in diesen Orten weniger gut gestellte Nachbarn, zumindest nach außen, versuchten, eine gleiche Stellung zu erreichen. Eine Situation, die dann auch in Deutschland zur Überschuldung und Privatinsolvenz führen kann.

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