Finanzierung – alle Quellen nutzen

Wie finanzieren sich Hightech-Start-ups und andere junge Unternehmen? Und wie könnten Politik und Finanzbranche das Gründungsklima in Deutschland verbessern?

Mit dem KfW/ZEW-Gründungspanel 2013 haben die KfW Bankengruppe, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und der Verband der Vereine Creditreform eine Datenbasis geschaffen, die als erster Längsschnittsdatensatz in Deutschland die Entwicklung junger Unternehmen vom Zeitpunkt ihrer Gründung an über mehrere Jahre verfolgt und ein breites Spektrum unternehmens- und personenspezifischer Informationen bereitstellt. Der Bericht 2013 gibt die Informationen der sechsten Befragungswelle wieder. Grundlage der jährlich rund 6.000 Unternehmen umfassenden Stichprobe sind wirtschaftsaktive Gründungen. Das sind Unternehmen, die entweder in das Handelsregister eingetragen sind, die für die Gründung auf Fremdkapital, Lieferantenkredite oder Ähnliches zurückgegriffen haben oder die auf sonstige Weise aktiv in den Wirtschaftsprozess eingebunden sind.

Ein Ausschnitt des Gründerpanels soll an dieser Stelle einen Teil der Untersuchung wiedergeben, der für Creditreform von speziellem Interesse ist: Wie steht es aktuell um die Finanzierung der jungen Unternehmen? Gerade die im besonderen Fokus stehende Gruppe der hightech-orientierten Start-ups gilt es hier näher zu befragen. Ausgaben für Investitionen und den laufenden Geschäftsbetrieb, vor allem für Löhne und Gehälter, bestimmen den Kapital- und Finanzierungsbedarf junger Unternehmen. Dafür suchen sie die kostengünstigsten Finanzierungsalternativen, die verfügbar sind. Gleichzeitig müssen sie ihre Zahlungsfähigkeit wahren.

Vielfältiger Finanzierungsmix

Eine wesentliche Quelle der Unternehmensfinanzierung sind die Einnahmen aus der Geschäftstätigkeit (Innenfinanzierung). Annähernd alle jungen Unternehmen greifen darauf zurück (97 Prozent). Über die Innenfinanzierung decken junge Unternehmen 85 Prozent des Finanzierungsvolumens ab, das sie für Investitionen und Betriebskosten brauchen. Für die Deckung der restlichen 15 Prozent des Finanzierungsvolumens müssen sie Mittel von außen zuführen. Hierfür stellen die Gründer selbst etwa sieben Prozent und dritte Kapitalgeber rund acht Prozent des Finanzierungsvolumens zur Verfügung. Im Branchenvergleich fallen die Hightech-Branchen des Verarbeitenden Gewerbes auf. Dort sind die jungen Unternehmen relativ stark auf die Zufuhr finanzieller Mittel von außen angewiesen (27 Prozent des Finanzierungsvolumens).

Es ist anzunehmen, dass aufgrund der relativ starken Innovationsaktivitäten in diesen Branchen ausgeprägte Informationsasymmetrien zwischen Kapitalgebern und Inhabern bestehen. Somit ist nachvollziehbar, dass die Inhaber selbst stärker eigene Mittel beisteuern und ihr Anteil am Finanzierungsvolumen daher relativ hoch ist (16 Prozent). Die jungen Unternehmen benötigen jedoch nicht nur finanzielle Mittel von außen, um ihre Investitionen zu finanzieren. Auch um 21 Prozent ihrer Betriebskosten zu decken, greifen sie auf Mittel der Gründer oder dritter Kapitalgeber zurück. Trotz der überdurchschnittlichen Umsätze in dieser Branche reicht die Innenfinanzierungskraft der jungen Unternehmen nicht aus, ihre Betriebskosten vollständig zu decken. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass Aktivitäten für Forschung und Entwicklung (FuE) lange Vorlaufzeiten haben, bis mit neuen Produkten und Dienstleistungen Umsatzerlöse erzielt werden können oder Vorteile durch neue Prozesse sich in einer höheren Qualität beziehungsweise in niedrigeren Kosten niederschlagen. Zusätzlich müssen in diesen Branchen hohe Investitionsvolumina gestemmt werden. Auch hierfür setzen die jungen Unternehmen aus den Hightech-Branchen des Verarbeitenden Gewerbes in überdurchschnittlichem Umfang Finanzmittel der Gründer und Inhaber sowie von dritten Kapitalgebern ein (62 Prozent des Investitionsvolumens in der Hightech-Industrie stehen hier 50 Prozent insgesamt gegenüber).
 
Nehmen junge Unternehmen Finanzmittel dritter Kapitalgeber in Anspruch, sind dies im Durchschnitt rund 37.000 Euro. In den Hightech-Branchen des Verarbeitenden Gewerbes ist das durchschnittliche externe Finanzierungsvolumen dreimal höher. Sechs Prozent der Unternehmen aus dieser Branche mit externem Finanzierungsbedarf setzen sogar mehr als eine halbe Million Euro ein. Zwar haben auch sechs Prozent der jungen Unternehmen der Nicht-Hightech-Industrie mehr als 500.000 Euro an externen Finanzmitteln verwendet. Der grundsätzlich höhere externe Finanzierungsbedarf der jungen Unternehmen im Hightech-Bereich spiegelt sich jedoch deutlich im hohen Anteil ihres Einsatzes von externem Kapital in Höhe von 100.000 bis 500.000 Euro und im relativ geringen Anteil von Fremdmitteln in Höhe von nur ein Euro bis zu 10.000 Euro wider. Die niedrigsten Finanzierungsvolumina durch dritte Kapitalgeber zeigen sich im Durchschnitt bei den Nicht-Hightech-Dienstleistern.

Die Höhe der Betriebskosten und Investitionen bestimmen mit, ob auf eine Finanzierung durch dritte Kapitalgeber zurückgegriffen wird und gegebenenfalls in welchem Umfang. Je höher der Finanzierungsbedarf, desto wahrscheinlicher wird eine entsprechende externe Finanzierung benötigt. Ein günstiges Umsatz-Kosten-Verhältnis wirkt dem Finanzierungsbedarf durch externe Kapitalgeber entgegen.

Verschiedene Kapitalquellen

An dritten Kapitalgebern steht jungen Unternehmen eine Reihe von Optionen zur Verfügung. Am häufigsten genutzt und auch volumenmäßig am wichtigsten sind Bankkredite. Weil Venture Capital die Finanzierungsbedürfnisse junger, innovativer und schnell wachsender Unternehmen adressiert, ist dessen Anteil am Finanzierungsvolumen in den Hightech-Branchen am höchsten. Eine Finanzierungsform, die nur bei jungen Unternehmen zu finden ist, sind Mittel von Verwandten und Freunden. Diese werden von einem substanziellen Teil der Unternehmen bei der externen Finanzierung herangezogen und bestreiten einen vergleichsweise hohen Volumenanteil wie Förderdarlehen. Auch Zuschüsse der Bundesagentur für Arbeit werden nach Möglichkeit genutzt, sind jedoch volumenmäßig nur von untergeordneter Bedeutung.

Weniger Schwierigkeiten mit dritten Kapitalgebern

Eine Finanzierung durch dritte Kapitalgeber erfolgt in der Regel in Form von Eigen- oder Fremdkapital. Mit der jeweiligen Finanzierungsform gehen unterschiedliche Informations- und Kontrollrechte der Kapitalgeber einher. Aufgrund der Informationsasymmetrien zwischen Kapitalgeber und jungem Unternehmen, der unterschiedlichen Erfolgsbeteiligung sowie den unterschiedlich weit gehenden Eingriffsrechten in unternehmerische Entscheidungen kann es sowohl bei der einen als auch bei der anderen Finanzierungsform zu Schwierigkeiten bei der Finanzierung kommen. Insgesamt ist das Auftreten von Finanzierungsschwierigkeiten mit dritten Kapitalgebern nach dem Hoch im Jahr 2009 auf das Niveau von 2007 zurückgekehrt. Rund zwölf Prozent der jungen Unternehmen hatten im Jahr 2012 Probleme bei der Finanzierung durch dritte Kapitalgeber. Dieser relativ niedrige Wert spiegelt die gute allgemeine Finanzierungssituation für Unternehmen in Deutschland wider.

Neben dem gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsumfeld beeinflussen die individuellen Unternehmensmerkmale, ob die Finanzierung durch dritte Kapitalgeber potenziell mit Problemen verbunden ist. Die bei innovativen Unternehmen besonders ausgeprägten Informationsasymmetrien dürften zu verstärkten Finanzierungsproblemen führen. Dabei muss offenbar zwischen FuE-Tätigkeiten als Input in den Innovationsprozess und Marktneuheiten als Output unterschieden werden. Da unsicher ist, ob durch FuE-Tätigkeiten tatsächlich marktfähige Produkte entstehen, sind bei Unternehmen mit FuE-Tätigkeiten Finanzierungsschwierigkeiten wahrscheinlicher. Bei Marktneuheiten hingegen ist die Unsicherheit im Vergleich geringer – auch wenn die Marktakzeptanz noch aussteht. Dies erschwert die Finanzierung durch dritte Kapitalgeber nicht signifikant.

Aufgrund ihrer FuE-Intensität erscheinen die Hightech-Branchen für Finanzierungsschwierigkeiten zunächst besonders anfällig. Für den Hightech-Bereich des Verarbeitenden Gewerbes ist es jedoch nicht die Branche an sich, die negative Signale für Kapitalgeber aussendet und zu Finanzierungsschwierigkeiten führt. Vielmehr sind die dort üblichen FuE-Aktivitäten, die hohen Investitionsvolumina und Betriebskosten für die Finanzierungsschwierigkeiten verantwortlich. Bei diesen Unternehmen kommt hinzu, dass sie im Branchenvergleich das ungünstigste Umsatz-Kosten-Verhältnis aufweisen. Sie haben es entsprechend schwerer, Kapitalgeber von der Finanzierungswürdigkeit ihrer Vorhaben zu überzeugen. Bei den Hightech-Dienstleistern sind Betriebskosten und Investitionsvolumina geringer und das Umsatz-Kosten-Verhältnis günstiger. Dies wirkt Finanzierungsschwierigkeiten entgegen.

Besondere Finanzierungsquellen

Die vorangegangenen Analysen haben gezeigt, dass die Hightech-Branchen des Verarbeitenden Gewerbes am ehesten die Erwartungen hinsichtlich Beschäftigung und Innovation erfüllen können. Unter diesen jungen Unternehmen treten jedoch Finanzierungsschwierigkeiten am häufigsten auf. Dies dürfte sich auch negativ auf die Investitionstätigkeit auswirken. Die jungen Unternehmen sind auf der einen Seite auf traditionelle Finanzierungsquellen wie Bankkredite angewiesen, auf der anderen Seite bedürfen sie spezifischer Finanzierungsformen wie Venture Capital.

Für die Wirtschaftspolitik stellen sich daher zwei Aufgaben: Erstens ist eine Kreditfinanzierung für junge Unternehmen in der Breite zu ermöglichen.

Mehr Unterstützung notwendig

Hiervon profitieren nicht nur die Hightech-Branchen, sondern junge Unternehmen allgemein. Dabei könnte in Betracht gezogen werden, dass es jungen Unternehmen mit FuE-Aktivitäten besonders schwer fallen dürfte, Fremdkapital einzuwerben. Zweitens sollten spezialisierte Angebote wie im Bereich von Venture Capital für die kleine, aber volkswirtschaftlich bedeutsame Gruppe der „Gazellen“ unter den jungen Unternehmen fortgesetzt unterstützt werden. Denn Finanzierungsschwierigkeiten unter jungen Unternehmen aufgrund von Informationsasymmetrien sind strukturell bedingt, auch wenn das Ausmaß im Konjunkturzyklus Schwankungen unterliegt. Daher stellt sich die Förderung der Gründungsfinanzierung als eine Daueraufgabe der Wirtschaftspolitik dar.

Erläuterungen:

STW: Spitzentechnik-Wirtschaftszweige des Verarbeitenden Gewerbes
HTW: Hochwertige Technik-Wirtschaftszweige des Verarbeitenden Gewerbes
TDL: Technologieintensive Dienstleistungen (außer Software)
NTW: Nicht technologieintensive Wirtschaftszweige des Verarbeitenden Gewerbes
NTDL: Nicht technologieintensive Dienstleistungen

Autor: Michael Bretz

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