Hauptsache gut vorbereitet

Wie gezieltes Forderungsmanagement, öffentliche Förderprogramme und ein neues, zukunftorientiertes Rating-Verfahren bei der Unternehmensfinanzierung helfen.

Auch wenn inzwischen erste Hoffnungsschimmer den Konjunkturhimmel erhellen: Für viele Unternehmen war das Jahr 2009 das anspruchsvollste und schwierigste ihrer Geschichte. Angesichts von BIP-Einbruch und Verlust des "Exportweltmeister"-Titels scheint das oft zitierte "In jeder Krise steckt auch eine Chance" wie ein billiger Trost.

Gleichwohl: Solche Verwerfungen auf den Märkten eröffnen oftmals die Chance einer Neuorientierung, etwa im Blick auf Zielgruppen, Vertriebspartner oder Regionen. In jedem Fall aber sind sie unausweichlicher Anlass, die eigene Strategie auf den Prüfstand zu stellen und strukturelle Ineffizienzen zu beseitigen. Wichtig ist immer, dass entscheidende Weichen frühzeitig gestellt und passende Stellschrauben korrekt justiert werden. Dann können Unternehmen nicht nur ihre kurzfristige Liquidität sichern, sondern auch die notwendigen Mittel erhalten, um sich mittel- und langfristig neu aufzustellen. Gute Vorbereitung ist in diesem Fall schon der halbe Kredit.

Kreditvergaben der Banken sind ein zentraler Aspekt für die Zukunftssicherung der Unternehmen. Angefragt werden zurzeit insbesondere kurzfristige Laufzeiten: Wenn die Konjunktur im zweiten und dritten Quartal stärker an Fahrt gewinnt, müssen Aufträge vorfinanziert und neue Vorräte aufgebaut werden. Ratsam sind deshalb eher mittelfristige Finanzierungen, die den Unternehmen eine Planungssicherheit geben und die Liquidität sichern. Auch wenn eine mittelfristige Finanzierung auf den ersten Blick etwas teurer ist, macht die dadurch gewonnene feste Kalkulationsgrundlage dies allemal wett.

Neues Bewertungsmodell

Gerade in der Übergangsphase von einer tiefen Rezession zum beginnenden Aufschwung zeigen sich die negativen Folgen, wenn Unternehmen dem Rating in der Vergangenheit zu wenig Bedeutung beigemessen haben. Die nachlassende Konjunktur hat sich in vielen Fällen auf die Bilanzzahlen niedergeschlagen und dann zu einer Rating-Verschlechterung geführt. Dieses Ergebnis erschwert die Kreditvergabe der Bank, denn die Ausfallwahrscheinlichkeit ist und bleibt das A und O bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens – aber es ist nicht das einzige Kriterium. So wurde zum Beispiel von der Commerzbank das neue Bewertungsmodell "Analyse Zukunftsfähigkeit" konzipiert und umgesetzt. Neben dem klassischen Rating, das die Vergangenheit widerspiegelt, fließen damit verstärkt Aspekte der künftigen Entwicklungsmöglichkeiten eines Unternehmens in die Kreditentscheidung ein. Zur Geltung kommen vier Faktoren:

  • Die Attraktivität des Marktes, auf dem das Unternehmen tätig ist, wird anhand von Wachstumspotenzial, Volatilität und Wettbewerbsintensität im relevanten Marktsegment ermessen.
  • Die strategische Positionierung der Firma gibt ihre Marktposition ebenso wieder wie ihre Differenzierungsfähigkeit.
  • Das Geschäfts- und Kundenportfolio berücksichtigt den Zugang zu Wachstumsmärkten, Einzelkundenabhängigkeiten sowie die Stabilität der Kundenbeziehungen und des Auftragsbuchs.
  • Die Kostenposition des Unternehmens wird durch den Vergleich im Wettbewerb erhoben, ebenso wie seine Reaktionsfähigkeit auf Krisen und eventuelle Einzelrisiken aus Rohstoff- und Währungsabhängigkeiten.

Die "Analyse Zukunftsfähigkeit" wird durch relevante Benchmarks und Experteneinschätzungen unterstützt. Sie ermöglicht die Kreditvergabe an Unternehmen, deren Financials zwar zu einem Stirnrunzeln führen, deren Geschäftsmodell aber insgesamt als tragfähig eingeschätzt wird. In der Praxis wurde die "Analyse Zukunftsfähigkeit" bereits im Bereich Automotive erfolgreich eingesetzt und soll deshalb sukzessive auf weitere Branchen erweitert werden. Eine weitere Maßnahme zur Stärkung der Liquiditätsversorgung ist der neue Sonderbeauftragte des Commerzbank-Vorstands für Mittelstandskredite, der auf Wunsch des Kunden bereits abgelehnte Kreditanträge als eine Art letzte Instanz noch einmal prüft.

Reserven im Finanzmanagement

Neben vorausschauenden Modellen hilft vielen Unternehmen auch eine genauere Betrachtung des Ist-Zustands: Häufig enthält das Finanzmanagement noch erhebliche Reserven, die sich durch ein gezieltes Forderungsmanagement heben lassen. Hier gilt es, gebundene Liquidität effizient freizusetzen.

So kann zum Beispiel die Verbriefung von Aktiva einen echten Mehrwert bei der Unternehmensfinanzierung bieten. Dies gilt speziell für die Aktiva, die in der Bilanz von nahezu jedem Unternehmen zu finden sind: Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Durch den revolvierenden und regresslosen Verkauf seines Forderungsportfolios an eine speziell dafür gegründete Zweckgesellschaft beispielsweise bekommt ein Unternehmen neue finanzielle Möglichkeiten. Diese Finanzierungsalternative ist unter anderem deshalb so interessant, weil die Transaktion lediglich durch Agenturen geratet wird und kein externes Rating des Unternehmens selbst erforderlich ist. Damit kann zum Beispiel eine Firma mit durchschnittlicher Bonität durch den Verkauf von Forderungen im Rahmen einer topgerateten ABCP-Transaktion in mehrfacher Hinsicht profitieren.

Weitere Alternativen des Forderungsverkaufs, die noch zu selten genutzt werden, sind Factoring und Unechte Pensionsgeschäfte. Bei internationalen Geschäften verschafft eine Forfaitierung nicht nur sofortige Liquidität, sondern nimmt dem Unternehmen auch das Schuldner- sowie Länderrisiko der Forderung ab. Die Forfaitierung ist also besonders für Exportfirmen interessant, die ihren ausländischen Kunden Zahlungsziele einräumen müssen und zugleich Sorge haben, dass politische Umstände die Erfüllung der Forderung verhindern könnten. Als Liquiditätsquelle nicht zu vergessen ist schließlich Borrowing Base Finance, eine spezielle Form des besicherten Betriebsmittelkredits mit Bezug auf das Umlaufvermögen.

KfW-Sonderprogramme helfen

Das Liquiditätsmanagement kann auf diese Weise hauseigene Mittel freisetzen, eine wertvolle Unterstützung von außen kommt hinzu: öffentliche Finanzierungshilfen für Restrukturierungssituationen. Auf Bundesebene gewinnt das neue KfW-Sonderprogramm zunehmend an Bedeutung. Unterteilt in drei Bereiche (Unternehmen mit einem Gruppenumsatz bis 500 Millionen Euro / Firmen mit einem Gruppenumsatz ab 500 Millionen Euro / Projektfinanzierungen) beinhaltet es ebenso gezielte wie wirkungsvolle Mittel. Über die jeweilige Hausbank des Unternehmens werden durchgeleitete Kredite zur Verfügung gestellt, für die optional eine Haftungsentlastung von bis zu 90 Prozent bei Investitionen beziehungsweise 60 Prozent für Betriebsmittelfinanzierungen beansprucht werden kann. Für Großunternehmen mit einem Gruppenumsatz von mehr als 500 Millionen Euro vergibt die KfW unter bestimmten Bedingungen auch Direktkredite im Rahmen von Bankenkonsortien. Dazu müssen sich eine oder mehrere Geschäftsbanken Pari-passu und zusammen in mindestens gleicher Höhe wie die KfW an der betreffenden Konsortialfinanzierung beteiligen, die Führung übernimmt eine Geschäftsbank.

Auf Landesebene können Unternehmen auf öffentliche Finanzierungshilfen in Form von Landesbürgschaften zurückgreifen. Diese werden in der Regel gewährt, wenn bankübliche Sicherheiten nicht ausreichend zur Verfügung stehen, ein positives Votum für den Kreditantrag aber im öffentlichen Interesse liegt. Dies gilt zum Beispiel für den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Zusätzliche Kredite

In der Quintessenz zeigen die genannten Beispiele, dass es für Unternehmen viele Wege gibt, um auch in schwierigen Zeiten neue Geldquellen zu erschließen. Die Basis bilden in der Regel Kredite der Banken, die auch in der derzeitigen Phase ihre hohe Finanzierungsbereitschaft unterstreichen. So hat die Commerzbank jetzt für mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 2,5 und 500 Millionen Euro ein neues Kreditprogramm in Höhe von fünf Milliarden Euro aufgelegt, insgesamt werden deutschen Firmen allein aus diesem Haus rund 130 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Die zusätzlichen Gelder können zur Finanzierung sowohl von Betriebsmitteln als auch für Investitionen verwendet werden.

Diese Unterstützung in Verbindung mit ergänzenden Kriterien bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit ist ein zielführender Beitrag, um Unternehmen fit für den beginnenden Aufschwung zu machen. Dass die Firmen dabei optimistisch in die Zukunft blicken dürfen, wird durch die jüngsten Zahlen nachdrucksvoll dokumentiert: Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gibt bei seiner Konjunkturprognose für das laufende Jahr ein Plus von 1,5 Prozent an.

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