Inkasso lohnt sich - für Gläubiger und Schuldner

Für diese Legislaturperiode hat sich die Bundesregierung verbraucherfreundliche Änderungen beim Inkassorecht vorgenommen. Darauf haben sich CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag verständigt. Kirsten Pedd, Präsidentin des BDIU, begrüßt das im Grundsatz. „Inkasso hat als Ziel, die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher mit denen der Gläubiger auf Durchsetzung ihres Zahlungsanspruchs auszugleichen“, sagt sie. „Das funktioniert nur im fairen Dialog – und für diesen Dialog stehen wir“.

Riesiges Forderungsvolumen

Pedd verweist auf eine umfangreiche Branchenstudie, die der BDIU aktuell durchführt. Sie wird im Januar 2019 abgeschlossen sein und aktuelle Zahlen zur Leistungsfähigkeit der Inkassounternehmen liefern. Erste Trends aus den Befragungen liegen bereits vor. Pro Jahr bearbeiten die Inkassounternehmen demnach deutlich mehr als 20 Millionen neue Forderungen. Neun von zehn davon erledigen sie erfolgreich – das heißt, sie lösen die Angelegenheit, ohne dass Gerichte dafür tätig werden müssen. „Das ist ein enormer Beitrag für die Allgemeinheit“, so Pedd. „Ohne die Rechtsdienstleistung Inkasso wären die Gerichte jedes Jahr mit rund 20 Millionen zusätzlichen Fällen belastet“. Die Studie wird auch Daten zur Höhe der in Ansatz gebrachten Inkassokosten liefern. Pedd: „Manchmal bekommen wir zu hören: Inkassounternehmen verschicken doch nur einen einfachen Brief und dafür verlangen sie viel zu viel Geld. Das verkennt völlig den Auftrag, den die Rechtsdienstleister von den Gläubigern erhalten. Der lautet: Zieht eine Forderung ein. Und dafür ist im modernen Forderungsmanagement eine Vielzahl einzelner Schritte erforderlich, die zeit-, personal- und IT-aufwendig sind. Bis eine Forderung tatsächlich bezahlt ist, haben Inkassounternehmen in aller Regel mehrfach mit dem Schuldner Kontakt – manchmal dauert es Jahre, bis sie die Angelegenheit miteinander klären können. Alles in allem handelt es sich dabei um eine hochkomplexe, fundierte Rechtsdienstleistung, die selbstverständlich ihren Preis hat. Die Kosten für Inkasso sind gesetzlich geregelt“, betont Pedd.

Verzugskosten und Inkassogebühren

Demnach sind Inkassokosten bis zur Höhe der einem Rechtsanwalt nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) zustehenden Vergütung erstattungsfähig. „Das ist transparent, es ist fair und es ist für jeden Verbraucher überprüfbar.“ Beim Kostenansatz haben die Inkassounternehmen einen Ermessensspielraum – und den wenden sie auch an. In vielen Fällen kommen sie den Schuldnern sogar entgegen. Pedd: „Kein Gläubiger konfrontiert seinen Kunden gern mit hohen Verzugskosten, die dieser durch das Nichtzahlen einer Rechnung ausgelöst hat. Als Vertreter des Gläubigers halten Inkassounternehmen diese Kosten so niedrig wie möglich, damit die Kundenbeziehung nicht stärker als nötig strapaziert wird – und die Gläubiger nach Bereinigung der Angelegenheit den ehemaligen Schuldner wieder als Kunden begrüßen können.“

Vor allem bei kleineren Forderungsbeträgen schöpfen die Inkassounternehmen ihren gesetzlich erlaubten Gebührenrahmen nicht aus. Dazu hat der BDIU über 800 zufällig ausgewählte Mahnschreiben seiner Mitgliedsunternehmen analysiert. Interessant ist hier der Blick auf Forderungen unter 100 Euro: In drei von vier Fällen kommen hier Gebühren unterhalb des maximal möglichen Satzes zur Anwendung. Bei jeder fünften Forderung unter 100 Euro verlangten die Inkassounternehmen sogar nur die niedrigstmögliche Gebühr.

Gibt es auch Beschwerden über Inkassounternehmen? Die verblüffende Antwort: Es sind verschwindend wenige. Auf die mehr als 20 Millionen Forderungen verzeichnet der BDIU pro Jahr nur zwischen 500 und 600 Beschwerden. Die Arbeit der Rechtsdienstleister läuft somit zu weit über 99 Prozent beschwerdefrei ab – das ist ein Qualitätsmaß, das in kaum einer anderen Branche erreicht wird.

Von der Inhouse-Lösung zum Outsourcing

Inkassounternehmen helfen Gläubigern, damit diese nicht unter Forderungsausfällen und Verzugsschäden leiden. Aber wie hoch ist der Aufwand, den man für ein solches Forderungsmanagement betreiben muss? Informationen liefert eine Studie der Schweizer Universität St. Gallen aus dem Jahr 2017. Sie betrachtet, welchen Aufwand ein Unternehmen zur Durchsetzung einer Forderung betreiben muss, wenn es dafür kein Inkassounternehmen und auch keinen Rechtsanwalt beauftragt. Dabei ging es um Verzugsforderungen, die ein Schuldner trotz Rechnung und zwei Zahlungserinnerungen beziehungsweise kaufmännischen Mahnungen nicht bezahlt hat. Das Ergebnis: Im Durchschnitt benötigen Gläubiger etwa 225 Minuten für ihre betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Maßnahmen zum Einzug einer einzigen Verzugsforderung. Das entspricht Gläubigerkosten in Höhe von rund 280 Schweizer Franken – umgerechnet etwa 246 Euro. „Diese Untersuchung bezieht sich zwar auf die Schweiz“, sagt Pedd. „Es ist aber davon auszugehen, dass die Zahlen für Deutschland ähnlich ausfallen. Wir haben die Universität Sankt Gallen dazu beauftragt, diese Studie für den deutschen Markt neu aufzusetzen.“ Im nächsten Jahr wird der BDIU Ergebnisse vorlegen.

„Ein faires Inkasso nützt allen – der Wirtschaft, den Verbrauchern und der Allgemeinheit. Diese Rechtsdienstleistung auch für die Zukunft zu sichern, ist eine wichtige Aufgabe, denn das Vertrauen darauf, Forderungen rechtssicher und kosteneffizient einziehen zu können, ist der Garant für weiteren wirtschaftlichen Wohlstand in Deutschland. Um das zu erreichen, setzen wir auf Selbst- und Co-Regulierung“, so Pedd abschließend.

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