SEPA, zweiter Teil: Auswirkungen auf das Forderungsmanagement

Bereits im Risikomanagement-Newsletter 01/2013 war SEPA, Single Euro Payment Area, ein wichtiges Thema. Nun rückt der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum unaufhaltsam näher.

So widmen sich der aktuelle Risikomanagement-Newsletter den Auswirkungen auf das Forderungsmanagement, wenn am 01.02.2014 im Geschäftsverkehr die bisherige Überweisung mit Angabe von Bankleitzahl und Kontonummer sowie die Lastschriftverfahren durch ihre jeweiligen SEPA-Äquivalente abgelöst werden. Verbraucher dürfen noch bis zum 01.02.2016 die bisherigen Zahlverfahren nutzen.

Eine frühzeitige Beschäftigung mit SEPA ist allein deshalb so wichtig, weil die Umstellung nahezu alle Bereiche eines Unternehmens betrifft - von der Buchhaltung über den Vertrieb bis hin zur Personalabteilung. Auch technisch ändert sich einiges: Die in Deutschland gebräuchlichen Datenformate MT940/MT950 und DTA werden im SEPA-Raum durch ein einheitliches XML-Format nach ISO 20022 ersetzt; landesspezifisch können minimale Abweichungen, sogenannte Dialekte zum Einsatz kommen.

Daher ist eine rechtzeitige Abstimmung des Umstellungstermins mit Ihren Hausbankverbindungen besonders wichtig, rät Creditreform. Denn: Ab 01.02.2014 ist auch das automatische Einlesen und Verarbeiten von Kontoauszugsdaten im DTA-Format nicht mehr möglich. Das heißt, die Geldeingänge müssen manuell verbucht werden, was natürlich Personalressourcen erfordert und die weiteren Prozesse wie beispielsweise Mahnläufe oder Auslieferungen ins Stocken bringt. Wer nicht rechtzeitig umstellt, bekommt die Auswirkungen unmittelbar zu spüren - im Zweifel schneiden Unternehmen sich sogar von der Liquiditätszufuhr ab. Daher sollte die Umstellung auf SEPA in jedem Unternehmen eine hohe Priorität genießen.

Die Einführung der SEPA-Überweisung betrifft vorwiegend die Datenhaltung in den Kundenstammdaten, sowohl bei den Kreditoren wie auch bei den Debitoren. Neben der Speicherung von Bankleitzahl und Kontonummer müssen nun mit IBAN (International Bank Account Number) und BIC (Business Identifier Code) zwei weitere Datenfelder in die Stammdatenverwaltung aufgenommen werden. Mit 22 Stellen liegt Deutschland bei der Länge der IBAN im Mittelfeld. Norwegen beschränkt sich auf 15 Stellen, während Malta 31 der 34 maximal möglichen Stellen belegt. Was bedeutet das in der Praxis? Oftmals werden bei der automatisierten Zahlungszuordnung die Auftraggeber-Bankdaten zur Identifizierung herangezogen. Um auch nach der SEPA-Einführung eine möglichst hohe Trefferquote zu erzielen, sollten Sie nicht nur bei der Neuerfassung von Stammdaten IBAN und BIC von Ihren Kunden erfragen, sondern auch die Bestandskunden umstellen.

Der Bank-Verlag als Serviceunternehmen der privaten Banken hat hierfür ein Portal (www.iban-service-portal.de) zur Verfügung gestellt, über das eine Massenkonvertierung kostengünstig und mit sehr hoher Konvertierungsquote möglich ist. Für die Konvertierung von einzelnen Daten bieten viele Banken und andere Anbieter kostenfreie Lösungen im Internet an. Da die IBAN in Deutschland die Bankleitzahl und die Kontonummer enthält, sind in der Matching-Software im Regelfall nur geringe Anpassungen durch die IT-Abteilung erforderlich.

Mit Einführung von SEPA entfällt die Haftung der Banken bei einem Zahlendreher im IBAN oder BIC. Die Bank ist nicht mehr verpflichtet, einen sogenannten Namen-Nummern-Vergleich durchzuführen. Die zweistellige Prüfziffer in der IBAN soll Falschzahlungen weitestgehend verhindern. Die wichtigsten Änderungen für den SEPA-Lastschrifteinzug im Überblick:

  • Das verbindlich schriftliche SEPA-Mandat regelt die Dreiecks-Beziehung zwischen Zahlungsempfänger, Zahlungspflichtigen und der Bank des Zahlungspflichtigen

  • Die SEPA-Lastschrift erfordert eine umfangreiche Mandatsverwaltung und -dokumentation.

  • Jeder Lastschrifteinzug muss vorher avisiert werden ("pre-notification")

  • Nach einer Entscheidung des BGH (Aktenzeichen XI ZR 236/07 vom 20.10.2010) ist die SEPA-Lastschrift insolvenzfestBei der SEPA-Lastschrift wird unterschieden zwischen der Basis-Lastschrift, die dem heutigen Einzugsermächtigungsverfahren ähnelt, und der Firmen-Lastschrift, die das Abbuchungsverfahren ersetzt. Die SEPA-Lastschrift ist in beiden Varianten zwingend an ein schriftliches Mandat des Zahlungspflichtigen gebunden. Fehlt dieses Mandat oder ist das Mandat abgelaufen, so kann dies zu folgenden Konsequenzen führen:

  • 1. Zurückweisung der Lastschrifteinlösung durch den Zahlungspflichtigen vor Kontobelastung

  • 2. Nicht-Einlösung der B2B-Lastschrift durch die Bank des Zahlungspflichtigen (Prüfungspflicht bei Firmen-Lastschriften!)

  • 3. Verlängerung der Widerspruchsfrist auf 13 Monate

  • 4. Die Bank des Zahlungsempfängers könnte bei häufiger vorkommenden Retouren ein höheres Lastschriftobligo mit Anrechnung auf die Barlinie verlangen.

  • 5. Im Extremfall kann die Bank des Zahlungsempfängers seinen Kunden vom Lastschriftverfahren ausschließen.

Die rechtzeitige Avisierung von SEPA-Lastschriften und das Einhalten der Vorlagefristen wirken sich naturgemäß auf die Liquiditätsplanung aus. Konnten bislang Lastschriften "auf Sicht" gezogen werden, bewirkt die Einhaltung von Fristen einen Mehrbedarf an wertvoller Liquidität. Dieses sollte im Cash Management frühzeitig berücksichtigt werden. Die deutschen Banken und Sparkassen beabsichtigen, zum 01.11.2013 die sogenannte COR1-Lastschrift mit einer verkürzten Vorlagefrist von einem Tag einzuführen. Somit reduziert sich der Mehrbedarf an liquiden Mitteln auf einen Lastschrift-Tagesumsatz.

Insolvenzfest und doch nicht sicher?

Der Bundesgerichtshof hat zwar in dem oben aufgeführten Urteil die Insolvenzfestigkeit der SEPA-Lastschrift festgestellt. Dies schützt aber nur die Bank des insolventen Schuldners als Zahlstelle. Sie ist nicht verpflichtet, bereits vom Konto des Schuldners abgebuchte Zahlungsbeträge an den Insolvenzverwalter auszukehren und selbst den Ausgleich über den Zahlungsweg vom Lastschrifteinreicher zu verlangen.

Das BGH-Urteil schließt jedoch nicht aus, dass der Insolvenzverwalter die Rückzahlung des abgebuchten Betrages nach Maßgabe von §§ 129 ff. InsO direkt vom Zahlungsempfänger verlangen kann. Insolvenzrechtlich steht die Zahlung per SEPA-Lastschrift also einer Überweisung gleich. Auch im SEPA-Zeitalter bleibt es daher besonders wichtig, die Bonität des Kunden anhand von Wirtschaftsinformationen und Monitoring im Auge zu behalten und Forderungen konsequent und zeitnah einzuziehen - auch mit Hilfe des Creditreform Inkasso.

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