Überschuldung und Wahlverhalten

Nicht nur mit Arbeitslosigkeit oder Bildung, mit Überschuldung korreliert auch das politische Verhalten der Verbraucher. Die aktuellen Daten des Schuldneratlas zeigen diesen Trend einer zunehmenden Polarisierung nochmals differenzierter auf. Zunächst schon gilt, vereinfacht formuliert: Personen aus Wahlkreisen, die sich überdurchschnittlich an den Wahlen 2013 und 2017 beteiligt haben, weisen eher unterdurchschnittliche Überschuldungsquoten auf – und umgekehrt. Wer wählen geht, ist offensichtlich weniger stark von Überschuldung oder, so ist zu ergänzen, von anderen sozialen Problemlagen betroffen.

Überschuldungsquote und Parteineigung

Dieser Grundtrend spiegelt sich auch bei einer Analyse der Partei-Neigung, also der mittels Umfragen abgefragten Nähe zu politischen Parteien. Personen mit eher „traditioneller Partei-Neigung“ (insbesondere CDU und FDP) leben überdurchschnittlich häufig in Wahlkreisen mit geringer Überschuldung, Personen mit eher alternativer oder äußerer Partei-Neigung leben überdurchschnittlich häufig in Wahlkreisen mit mittlerer und hoher Überschuldung. Die höchste Korrelation zur Überschuldung zeigen generell Personen, die zur SPD, zu den Piraten, den Linken und zur AfD und anderen (kleineren) Parteien neigen. Auffällig: Diejenigen Personen, die die Linke und die AfD präferieren, stammen auch überdurchschnittlich häufig aus Wahlkreisen, die nur eine mittlere Überschuldungsquote aufweisen. Dies zeigt, dass sich AfD-Wähler (aber auch die Wähler der Partei „Die Linke“) auch aus den mittleren sozioökonomischen Schichten rekrutieren.

Das entsprechende Analyseportfolio zur (aggregierten) Wahlorientierung nach Wahlkreisen zeigt, dass die Verbraucher in den meisten Bundesländern eine Wahlorientierung zu alternativen oder Parteien am äußeren Rand des Spektrums aufwiesen. Hierin wird auch eine „Wechselbereitschaft“ des politischen Lagers deutlich, die im Oktober bei den Landtagswahlen in Bayern und in Hessen zu den starken Verlusten der traditionellen Volksparteien (CDU/CSU und SPD) beigetragen hat. Hierzu gehören alle ostdeutschen Bundesländer, tendenziell aber auch Hamburg und Bayern. In diesen Bundesländern war der Anteil derjenigen Wahlkreise mit eher alternativem oder nicht an den Volksparteien orientiertem Wahlverhalten größer als das derjenigen Wahlkreise mit eher traditionellem Wahlverhalten. In Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen ist dabei die Korrelation zur Überschuldungslage der Verbraucher unterdurchschnittlich, in allen anderen ist die Wechselbeziehung überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Letzteres geht in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz weiterhin mit einer eher überdurchschnittlich traditionellen Wahlorientierung einher.

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