Verzug nicht verschlechtert - aber Zahlungsziele verkürzt

Auf der Basis der Rechnungslegung von fast einer Million Unternehmen in Deutschland, die im Monat bis zu 8 Millionen neue Zahlungsinformationen liefern, erstellt Creditreform den Zahlungsindikator Deutschland. Im Sommer 2018 ist der neueste Indikator erschienen, der sich auf die Daten und Fakten des ersten Halbjahres stützt.

Das Zahlungsverhalten zu beobachten, ist nicht nur eine Pflicht des einzelnen Kreditmanagers im Unternehmen, der den Eingang der Rechnungsbeträge überwacht – es liefert auch Anhaltspunkte für die makroökonomische Betrachtung der Risiken im Hinblick auf die Insolvenzsituation. Der Zusammenhang ist eindeutig: Fast jeder Unternehmensinsolvenz geht eine Phase schlechten Zahlungsverhaltens voraus, das Zahlungsverhalten ist geradezu der Indikator für die Schieflage eines Betriebes.

Der Zahlungsverzug im B2B-Sektor hat sich im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem zweiten Halbjahr 2017 kaum verändert. Er beträgt nunmehr 10,59 Tage gegenüber 10,58 Tagen im zweiten Halbjahr 2017. Allerdings ist hinzuzufügen, dass er im Vergleichszeitraum des ersten Halbjahres 2017 noch 10,11 Tage betrug. Zu registrieren bleibt also eine Zunahme beim Zahlungsverzug innerhalb eines Jahres von fast einem halben Tag.

Deutliche Branchenunterschiede

Unter Branchengesichtspunkten zeigt sich diese Entwicklung sehr unterschiedlich. Immerhin ist bei sechs von zehn betrachteten Branchen eine Verschlechterung beim Zahlungsverhalten festzustellen. Dies gilt insbesondere für unternehmensnahe Dienstleister (plus 2,51 Tage beim Verzug), aber auch bei den Unternehmen im Einzelhandel mit plus 1,23 Tagen, bei der Verkehrs- und Logistikbranche mit plus 1,08 Tagen beim Zahlungsverzug. Auch die beiden industriellen Bereiche „Chemie und Kunststoff“ sowie „Konsumgüterproduktion“ haben sich verschlechtert – allerdings auf hohem Niveau: So zahlten Chemieunternehmen nach 8,81 Tagen Verzug und die Konsumgüterhersteller nach 8,89 Tagen ihre Rechnungen.

Auch wenn die Dauer des Verzugs fast den gleichen Wert hält wie im ersten Halbjahr 2017, ist es insgesamt zu einem Rückgang der Forderungstage gekommen. Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg beträgt die Forderungslaufzeit im ersten Halbjahr 2018 durchschnittlich 42,29 Tage. Das ist deutlich kürzer als im zweiten Halbjahr 2017 als der Wert noch bei 43,15 Tagen lag. Der Grund dafür liegt in einer Kürzung der Zahlungsziele. Darauf wird noch zurückzukommen sein, zunächst aber zu den Forderungslaufzeiten nach Branchen: Insgesamt überdurchschnittlich lange Forderungslaufzeiten, berechnet aus der Summe von Zahlungsziel und Verzug, weisen die Unternehmen aus der Metall- und Elektrobranche mit insgesamt 46,31 Tagen und aus der Chemiebranche mit 45,47 Tagen auf. Beide Branchen zeigen eine Zunahme der Forderungslaufzeiten im Jahresvergleich von 2017 zu 2018. Auch die Betriebe aus dem Großhandel und der Konsumgüterbranche legten bei den Forderungslaufzeiten insgesamt zu.

Aber es gibt auch gute Nachrichten von einzelnen Branchen, die kürzere Forderungslaufzeiten aufweisen – dies gilt insbesondere für die verbraucherbezogenen Dienstleistungen, die ein Minus von 2,25 Tagen registrieren. Mit insgesamt 34,46 Tagen nennen die personenbezogenen Dienstleistungen die kürzesten Forderungslaufzeiten unter allen Wirtschaftsbereichen. Beachtet werden muss bei einer Betrachtung der Branchen, dass diese auch unterschiedliche Laufzeiten aufweisen, weil die Lieferungen einen anderen Charakter aufweisen. So wird es sich im Bereich der Chemie um große Lieferungen an verhältnismäßig wenige Kunden handeln, während verbraucherorientierte Dienstleister eine Vielzahl von Kunden mit eher geringwertigeren Gütern und Leistungen bedienen, die ein schnelles „Kassieren“ erfordern.

Vorsichtiger agieren – Zahlungsziele verkürzen

Zurückzukommen ist auf die Zahlungsziele: Tatsächlich zeigen sie aktuell mit 31,70 Tagen den niedrigsten Wert seit zwei Jahren. Nach dem ersten Halbjahr 2017 wurden die Zahlungsziele, die den Kunden gewährt wurden, aktuell um 0,81 Tage verkürzt. Auch hier lohnt ein Blick auf einzelne Branchen: Deutliche Verkürzungen der Zahlungsziele nennt der Einzelhandel mit minus 4,28 Tagen, die unternehmensnahen Dienstleister mit minus 3,53 Tagen und schließlich der Verkehrs- und Logistiksektor mit minus 2,73 Tagen. Auch der Bau erhielt nicht mehr so lange Zahlungsziele wie im Vorjahreszeitraum, sondern musste 1,54 Tage schneller zahlen.

Ist im Sinne der Einleitung mit der Verkürzung der Zahlungsziele schon ein Warnsignal gegeben? Werden Kreditmanager vorsichtiger, wenn es um den Einzug der Rechnungen geht? Noch sollte die jüngste Entwicklung nicht überbewertet werden – doch sie ist sicher im Auge zu behalten. Tatsächlich ist es in einzelnen Vormonaten und Branchen zu einer Zunahme der Insolvenzen gekommen. Und auch der Optimismus im Hinblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hat ein wenig gelitten. Möglicherweise ist das ein Grund, vorsichtiger mit Zahlungszielen insgesamt umzugehen.

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